Programm: Europäischer Fonds für regionale Entwicklung

Programm
Europäischer Fonds für regionale Entwicklung
Akronym EFRE
Beschreibung zu Programm
"Europäischer Fonds für regionale Entwicklung"

Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) soll den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt in der Europäischen Union stärken, indem er Ungleichgewichte zwischen den Regionen ausgleicht. Im Zeitraum 2021-2027 wird er Investitionen in ein intelligenteres, grüneres, besser vernetztes und sozialeres Europa ermöglichen, das näher an seinen Bürgern ist.

EFRE finanziert Programme in geteilter Verantwortung zwischen der Europäischen Kommission und den nationalen und regionalen Behörden der Mitgliedstaaten. Die Verwaltungen der Mitgliedstaaten wählen die zu finanzierenden Projekte aus und sind für die laufende Verwaltung zuständig. Im Zeitraum 2021-2027 wird der Fonds Investitionen ermöglichen, die Europa und seine Regionen voranbringen:

  • Wettbewerbsfähiger und intelligenter durch Innovation und Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen sowie durch Digitalisierung und digitale Konnektivität (politisches Ziel 1 - PO1)
  • Grüner, kohlenstoffarm und widerstandsfähig (politisches Ziel 2 - PO2)
  • Verbundener durch Verbesserung der Mobilität (Politisches Ziel 3 - PO3)
  • Sozialer durch die Förderung von effektiver und integrativer Beschäftigung, Bildung, Fähigkeiten, sozialer Eingliederung und gleichberechtigtem Zugang zur Gesundheitsversorgung sowie die Stärkung der Rolle der Kultur und des nachhaltigen Tourismus (Politisches Ziel 4 - PO4)
  • Bürgernähe, Unterstützung der lokal geführten Entwicklung und der nachhaltigen Stadtentwicklung in der gesamten EU (Politisches Ziel 5 - PO5)

Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung wird Investitionen im Rahmen aller fünf politischen Ziele unterstützen, doch werden alle Regionen und Mitgliedstaaten die Unterstützung auf der Grundlage ihres Wohlstands auf ein wettbewerbsfähigeres und intelligenteres Europa (PO1) sowie auf ein umweltfreundlicheres, kohlenstoffarmes, auf eine kohlenstofffreie Wirtschaft ausgerichtetes und widerstandsfähiges Europa (PO2) konzentrieren, und zwar durch den Mechanismus der "thematischen Konzentration".

Alle Regionen und Mitgliedstaaten werden mindestens 30 % ihrer Mittelzuweisung auf PO2 konzentrieren und:

  • Stärker entwickelte Regionen oder Mitgliedstaaten werden mindestens 85 % ihrer Mittelzuweisung für PO1 und PO2 verwenden;
  • Übergangsregionen oder -mitgliedstaaten mindestens 40 % für PO1;
  • Weniger entwickelte Regionen oder Mitgliedstaaten mindestens 25 % für PO1.

Alle Regionen und Mitgliedstaaten werden außerdem mindestens 8 % ihrer Mittelzuweisung auf die Stadtentwicklung konzentrieren, die durch lokale Entwicklungspartnerschaften mit verschiedenen Instrumenten durchgeführt wird. Es wird erwartet, dass die Aktivitäten im Rahmen von EFRE auch 30 % des gesamten Finanzrahmens für die Klimaziele verwenden.

Die Europäische Territoriale Zusammenarbeit (ETZ), besser bekannt als Interreg, bietet einen Rahmen für die Durchführung gemeinsamer Maßnahmen und den politischen Austausch zwischen nationalen, regionalen und lokalen Akteuren aus verschiedenen Mitgliedstaaten. Das übergeordnete Ziel der Europäischen Territorialen Zusammenarbeit (ETZ) ist die Förderung einer harmonischen wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Entwicklung der Union als Ganzes. Interreg stützt sich auf vier Bereiche der Zusammenarbeit:

  • grenzübergreifende Zusammenarbeit zwischen benachbarten Regionen zur Förderung einer integrierten und harmonischen regionalen Entwicklung zwischen benachbarten Land- und Seegrenzregionen (Interreg A)
  • transnationale Zusammenarbeit in größeren transnationalen Gebieten oder um Meeresbecken herum, unter Einbeziehung nationaler, regionaler und lokaler Programmpartner in Mitgliedstaaten, Drittländern und Partnerländern und ÜLG, um einen höheren Grad an territorialer Integration zu erreichen (Interreg B)
  • transnational (Interreg B)
  • interregionale Zusammenarbeit zur Verstärkung der Wirksamkeit der Kohäsionspolitik (Interreg C)
  • Zusammenarbeit der Regionen in äußerster Randlage untereinander und mit ihren benachbarten Dritt- oder Partnerländern oder ÜLG oder mit Organisationen für regionale Integration und Zusammenarbeit oder mit mehreren dieser Organisationen, um ihre regionale Integration und eine harmonische Entwicklung in ihrer Nachbarschaft zu erleichtern (Interreg D)

Zusätzlich zu den fünf politischen Zielen von EFRE verfügen die Interreg-Programme über zwei weitere politische Ziele, nämlich "Eine bessere Governance der Zusammenarbeit" und  "Ein sichereres und geschütztes Europa".

Themen Digitalisierung, IKT, Telekommunikation, Wettbewerbsfähigkeit, KMU, Clustering, Entwicklungszusammenarbeit, wirtschaftliche Zusammenarbeit, Energieeffizienz & Erneuerbare Engerie, Grüne Technologien & Green Deal, Kapazitätenaufbau, Kooperationsnetzwerke, Institutionelle Kooperation, Klima, Klimawandel, Umwelt & Biodiversität, Verwaltung & Governance, Regionalentwicklung & Regionalplanung, Katastrophenschutz, Resilienz, Risikomanagement, Kreislaufwirtschaft, Nachhaltigkeit, Natürliche Ressourcen, Mobilität & Verkehr, Beschäftigung & Arbeitsmarkt , Demographischer Wandel, Migration, Tourismus, Integration in die Gesellschaft, Europäische Bürgerschaft, Shared Services, Gleichberechtigung, Menschenrechte, Menschen mit Behinderung, Soziale Inklusion, Gesundheit, Soziale Angelegenheiten, Sport, Kunst & Kultur, Kulturerbe, Geschichte, Medien, Stadtentwicklung
Fördergebiet EU Mitgliedstaaten
Überseeische Länder und Hoheitsgebiete (ÜLG)
Kandidatenländer
Staaten der EU Nachbarschaftspolitik
Potenzielle Kandidatenländer
Herkunftsgebiet Antragsteller EU Mitgliedstaaten
Überseeische Länder und Hoheitsgebiete (ÜLG)
Kandidatenländer
Staaten der EU Nachbarschaftspolitik
Potenzielle Kandidatenländer
Projektpartner Nein
Förderfähige Antragsteller Aus- und Weiterbildungseinrichtung, Bundesland / Region / Stadt / Gemeinde / Gebietskörperschaft, Forschungseinrichtung, Interessensvertretung / Berufsverband / Gewerkschaft, Internationale Organisation, Kleine und mittlere Unternehmen, KMU (10 bis 249 Beschäftigte), Kleinstunternehmen (unter 10 Beschäftigte), NGO / NPO, Öffentliche Einrichtung, Sonstiges, Staatsregierung, Start-Up Unternehmen, Universität/(Fach)Hochschule, Unternehmen (mehr als 250 Beschäftigte bzw. undefiniert), Verein
Art der Finanzierung Finanzhilfen

Subprogramme von Europäischer Fonds für regionale Entwicklung

Interreg Zentraleuropa Programm 2021-27

Interreg CENTRAL EUROPE stellt sich ein geeintes Mitteleuropa vor, das zusammenarbeitet - um gemeinsam intelligenter, grüner und besser vernetzt zu werden. Auf der Grundlage gemeinsamer Bedürfnisse und einer gemeinsamen Identität in einem Gebiet, das lange durch den "Eisernen Vorhang" geteilt war, zielt das Programm auf eine vertrauensvolle Kultur der Zusammenarbeit über Verwaltungsgrenzen hinweg ab.

Ziel des Programms ist es, Regionen und Städte über die Grenzen hinweg zusammenzubringen, um für ihre Bürgerinnen und Bürger passende Lösungen zu finden - und zwar überall auf faire und gleiche Weise. Es fördert und unterstützt die transnationale Zusammenarbeit, um Regionen widerstandsfähiger gegenüber gemeinsamen Herausforderungen zu machen, die keine Grenzen kennen und die nicht allein gelöst werden können. Zu diesen Herausforderungen gehören u.a. wirtschaftliche Übergangsprozesse, der Klimawandel und die langfristigen sozioökonomischen Folgen der Covid-19-Pandemie.

Die Programmschwerpunkte und spezifischen Ziele bilden das Rückgrat der Interreg CENTRAL EUROPE Förderstrategie 2021-27. Im Einklang mit den thematischen Bereichen sollen die transnationalen Kooperationsmaßnahmen die Entwicklung und Umsetzung von Strategien, Aktionsplänen, Instrumenten, Schulungen, Pilotaktionen und damit verbundenen Lösungen betreffen. Alle Maßnahmen müssen den horizontalen Grundsätzen der nachhaltigen Entwicklung, einschließlich des Umweltschutzes, sowie der Chancengleichheit, der Nichtdiskriminierung und der Gleichstellung der Geschlechter entsprechen.

Priorität 1:  Zusammenarbeit für ein intelligenteres Mitteleuropa

SO 1.1 Stärkung der Innovationskapazitäten in Mitteleuropa
Starke Innovationskapazitäten sind für Mitteleuropa angesichts seiner starken industriellen Basis und der Bedeutung von Sektoren wie der Land- und Ernährungswirtschaft oder dem Tourismus von großer Bedeutung. Innovation ist auch von zentraler Bedeutung für die Stärkung der wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit Mitteleuropas. Innovationskapazitäten müssen vor allem in Regionen gefördert werden, die mit dem Übergang zu einer stärker globalisierten, digitalisierten und grünen Wirtschaft zu kämpfen haben. Der Wissens- und Technologietransfer, insbesondere für KMU, ist ein entscheidender Bedarf.

SO 1.2  Stärkung der Kompetenzen für intelligente Spezialisierung, industriellen Wandel und Unternehmertum in Mitteleuropa
Die starke industrielle Basis Mitteleuropas und ihre Abhängigkeit von angemessenen Qualifikationen unterstreicht die strategische Bedeutung dieses Einzelziels. KMU wurden als Hauptbeschäftigungsanbieter in Mitteleuropa identifiziert, und es ist wichtig, die lokal verfügbaren menschlichen Fähigkeiten zu fördern, insbesondere für den Übergang zu Industrie 4.0, Digitalisierung und einer grünen Wirtschaft. Die Kapazitäten für einen effizienten unternehmerischen Entdeckungsprozess müssen ebenso verbessert werden wie für die Ausarbeitung oder Aktualisierung intelligenter Spezialisierungsstrategien. Die ortsbezogene Entwicklung von Kompetenzen ist auch für die Verringerung des Gefälles zwischen Stadt und Land von entscheidender Bedeutung. Insgesamt ist ein gerechter und sozial verantwortlicher Übergangsprozess erforderlich.

Priorität 2:  Zusammenarbeit für ein grüneres Mitteleuropa

SO 2.1  Unterstützung der Energiewende zu einem klimaneutralen Mitteleuropa
Mitteleuropa muss seine Leistungen sowohl bei der Energieeffizienz als auch bei der Erzeugung und Nutzung erneuerbarer Energien beschleunigen, um die EU-Ziele und die Klimaziele des Europäischen Green Deal zu erreichen. Erhebliche regionale Unterschiede zwischen den mitteleuropäischen Regionen müssen beseitigt werden. Energieeffizienz und erneuerbare Energien müssen gefördert und genutzt werden, um eine breitere geografische Abdeckung zu erreichen.

SO 2.2. Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegenüber den Risiken des Klimawandels in Mitteleuropa
Die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Risiken des Klimawandels stellt für Mitteleuropa ein wichtiges Erfordernis dar, insbesondere angesichts der erheblichen ökologischen und sozioökonomischen Auswirkungen. Ein spezifischer territorialer Aspekt ist der Bedarf an integrierten und sektorübergreifenden Ansätzen zur bestmöglichen Anpassung an den Klimawandel. Um die Widerstandsfähigkeit gegen den Klimawandel zu erhöhen, müssen allgemeine Ansätze lokal angepasst werden, um praktikable und handhabbare, integrierte Lösungen zu entwickeln, die in ganz Mitteleuropa verbreitet werden können.

SO 2.3. Die Kreislaufwirtschaft in Mitteleuropa vorantreiben
Eine klimaneutrale, ressourceneffiziente und wettbewerbsfähige Wirtschaft erfordert hochskalierte zirkuläre Ansätze. Bei dieser wirtschaftlichen Transformation ist zu berücksichtigen, dass eine Kreislaufwirtschaft häufig eine Neuordnung von Wertschöpfungsketten, die Veränderung von Interdependenzen und die Schaffung neuer Gewinnoptionen erfordert. Wichtig ist, dass dieser sozioökonomische Wandel in ganz Mitteleuropa stattfindet und sich nicht nur auf wenige Regionen konzentriert.

SO 2.4. Sicherung der Umwelt in Mitteleuropa
Die wirtschaftliche und ökologische Bedeutung der Naturgüter und Landschaften in Mitteleuropa erfordert eine koordinierte Inwertsetzung und den Schutz der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme. Es besteht die dringende Notwendigkeit, den negativen Auswirkungen menschlichen Handelns durch integrierte Umweltmanagementkonzepte entgegenzuwirken.

SO 2.5. Ökologisierung der urbanen Mobilität in Mitteleuropa
Die Reduzierung von Verkehrsemissionen ist eines der Hauptziele des Europäischen Green Deals. Eine intelligente und umweltfreundlichere urbane Mobilität erfordert eine integrierte Antwort. Viele funktionale städtische Gebiete in Mitteleuropa stehen bei der Ökologisierung ihrer Mobilität vor ähnlichen Herausforderungen. Der besondere territoriale Bedarf liegt in der großen Vielfalt der Themen (z. B. Umweltverschmutzung und Verkehrsstaus), die in einem integrierten Ansatz angegangen werden müssen. Darüber hinaus umfasst das Thema nicht nur verschiedene Mobilitätsarten, sondern auch die städtische sowie die Stadt-Land-Logistik.

Priorität 3:  Zusammenarbeit für ein besser vernetztes Europa

SO 3.1. Verbesserung der Verkehrsanbindung von ländlichen und peripheren Regionen in Mitteleuropa
Das Programmgebiet ist ein wichtiger Knotenpunkt in Europa. Dies kann die Teilnahme am Handel strategisch erleichtern und die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Die Anbindung an größere Verkehrskorridore ist jedoch vergleichsweise schwach. Es besteht die Notwendigkeit, insbesondere periphere Regionen an die Knotenpunkte der TEN-T-Kernnetzkorridore (CNC) anzubinden, Engpässe zu beseitigen und fehlende Verkehrsverbindungen zu überbrücken, um eine gute Erreichbarkeit in ganz Mitteleuropa zu gewährleisten. Außerdem müssen die Verkehrsemissionen bis 2050 um 90 % gesenkt werden, was intelligente und nachhaltige Konzepte für die grenzüberschreitende Mobilität, die Intermodalität und die Einführung IT-gestützter Lösungen für das Mobilitätsmanagement erfordert.

Priorität 4:  Verbesserung der Governance für die Zusammenarbeit in Mitteleuropa

SO 4.1  Stärkung  der Governance  für  integrierte  territoriale  Entwicklung  in Mitteleuropa
Mitteleuropa ist sowohl in territorialer als auch in sozioökonomischer Hinsicht sehr heterogen. Eine Vielzahl von Herausforderungen und Hindernissen behindert die wirtschaftliche, soziale und territoriale Entwicklung in Mitteleuropa, die nicht unbedingt an bestimmte Verwaltungseinheiten gebunden sind. Sie beziehen sich vielmehr auf Gebiete mit funktionalen Verbindungen, die durch wirtschaftliche, soziale und ökologische Verflechtungen gekennzeichnet sind. Die Bewältigung dieser territorialen Entwicklungsherausforderungen erfordert integrierte Multi-Level- und Multi-Sektor-Governance-Prozesse, die funktionale Verknüpfungen auf territorialer Ebene berücksichtigen. Es ist notwendig, die Kapazitäten der Behörden auf allen territorialen Ebenen zu verbessern, um integrierte territoriale Entwicklungsstrategien auszuarbeiten und umzusetzen. Die Zusammenarbeit sollte innerhalb und zwischen Gebieten, die funktionale Verbindungen haben, gefördert werden.


Interreg Alpenraum Programm 2021-2027

Das Alpenraumprogramm ist ein europäisches transnationales Kooperationsprogramm, das alpenweite Projekte finanziert. Es bietet einen Rahmen, um Akteure aus verschiedenen Sektoren und unterschiedlichen politischen Ebenen aus sieben Alpenländern zu verbinden. Schlüsselakteure aus Wissenschaft und Verwaltung, Wirtschaft und Innovationssektor sowie politische Entscheidungsträger arbeiten zusammen, um gemeinsame Herausforderungen anzugehen und gemeinsame Lösungen für den Alpenraum zu entwickeln. Sie tauschen ihre Erfahrungen und ihr Fachwissen aus und streben danach, die Lebensqualität der Alpenbewohner zu verbessern.

Das Programm wird sich auf grüne, CO2-neutrale, innovative und Governance-bezogene Themen konzentrieren. Das Leitbild des Programms ist auch Ausdruck dieses Fokus und soll diesen Ansatz breit sichtbar machen. Folgende Schwerpunkte werden für den Zeitraum 2021-2027 definiert:

Priorität 1: "Klimaresilienter und grüner Alpenraum"

Spezielles Ziel: "Förderung der Anpassung an den Klimawandel, der Risikoprävention und der Katastrophenresilienz"
Die Anzeichen des Klimawandels erfordern dringendes Handeln. Die Anpassung an den Klimawandel ist ein Element einer möglichen Reaktion, die Abschwächung ein anderes. Im Rahmen dieses Einzelziels sollten Maßnahmen zur Förderung der Anpassung an den Klimawandel, d. h. "den Prozess der Anpassung an das tatsächliche oder erwartete Klima und seine Auswirkungen", wie es der IPCC formuliert, abgedeckt werden. Maßnahmen, die im Rahmen dieser spezifischen Ziele unterstützt werden, sollten einen integrierten Charakter haben, Co-Benefits für die Abschwächung fördern und Lock-in-Effekte durch Anpassung vermeiden.

Spezifisches  Ziel:   "Verbesserung   des Schutzes     und   der      Natur,    Biodiversität     und   grüner Infrastruktur,  auch in städtischen Gebieten, und Verringerung aller Formen der Umweltverschmutzung"
Der Alpenraum ist ein transnationaler Hotspot der biologischen Vielfalt, obwohl er in einem der am dichtesten besiedelten und vernetzten Gebiete Europas liegt. In diesem besonderen Kontext besteht dringender Handlungsbedarf. Die biologische Vielfalt und der ökologische Verbund der Alpen stehen seit vielen Jahrzehnten unter Druck, insbesondere seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Menschliche Aktivitäten, Flächennutzung, Ausbeutung natürlicher Ressourcen und Umweltverschmutzung führen zur Fragmentierung von Lebensräumen und zum Verlust von biologischer Vielfalt und Kulturlandschaften. Darüber hinaus stellen die Folgen des Klimawandels (z. B. Hitze, Dürre) sowie bestimmte Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen (z. B. die verstärkte Nutzung von Wind- oder Wasserkraft in sensiblen Regionen) eine Bedrohung für die biologische Vielfalt der Alpen dar. Die anhaltende und prognostizierte Verringerung des Lebensraums und die Fragmentierung von Biotopen führen zu hohen Verlusten an biologischer Vielfalt und verringern die Ökosystemleistungen. Die Notwendigkeit, die Fragmentierung und den Verlust von Biotopen zu reduzieren und die Vernetzung von Ökosystemen zu fördern, ist daher groß.

Priorität 2: "Klimaneutraler und ressourcenschonender Alpenraum"

Spezielles Ziel: "Förderung der Energieeffizienz und Reduzierung der Treibhausgasemissionen"
Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent zu werden, ohne Netto-Treibhausgasemissionen im Jahr 2050 und mit einem vom Ressourcenverbrauch entkoppelten Wirtschaftswachstum. Die Ambitionen in Bezug auf die Klimaneutralität haben sich in verschiedenen Strategien (z.B. das Alpine Klimazielsystem 2050 (Alpenkonvention)) sowie in der Umsetzung verschiedener Maßnahmen im Alpenraum in den letzten Jahren niedergeschlagen. Um die globalen und europäischen Ziele zu erreichen, müssen die Anstrengungen in den nächsten Jahren jedoch verstärkt werden.
Die beiden Sektoren, die derzeit den höchsten Pro-Kopf-Endverbrauch an Energie in Europa aufweisen, sind Mobilität und Verkehr sowie der Gebäudesektor. Mobilität und Verkehr ist einer der Sektoren, die im Alpenraum von großer Bedeutung sind. Obwohl im gesamten Alpenraum und in verschiedenen Sektoren Fortschritte in Bezug auf die Energieeffizienz erzielt wurden, ist in bestimmten Bereichen immer noch ein hoher Endenergieverbrauch zu beobachten. Der Straßenverkehr ist neben dem Wohnbereich oder dem Tourismus- und Freizeitsektor nach wie vor einer dieser Sektoren. Effizienzkonzepte allein werden höchstwahrscheinlich nicht ausreichen, um den Übergang zu einer kohlenstoffneutralen oder sogar postkohlenstoffhaltigen Gesellschaft zu schaffen. Innovative Schritte sollten daher über die Effizienz hinausgehen und integrierte, auf Suffizienz ausgerichtete Konzepte des Wohlbefindens und kohlenstoffneutrale Lebensstile fördern. Dies sollte mit der Nutzung erneuerbarer Energiequellen gekoppelt werden, die im Alpenraum in großem Umfang zur Verfügung stehen (z.B. Wasser, Wind, Solarenergie, etc.).
Die Förderung von Energieeffizienzmaßnahmen steht in engem Zusammenhang mit der Bekämpfung des Klimawandels und der Umsetzung von Ansätzen der Kreislaufwirtschaft. In diesem Zusammenhang sollte dieses Einzelziel als "unterstützendes Ziel" zur "Förderung der Anpassung an den Klimawandel" und zur "Förderung des Übergangs zu einer Kreislaufwirtschaft" betrachtet werden. Die Maßnahmen im Rahmen dieses Einzelziels sollten diese Einzelziele ergänzen, sich aber nicht mit ihnen überschneiden.

Sonderziel: "Förderung des Übergangs zu einer Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz"
Die Förderung der Kreislaufwirtschaft ist eines der Hauptziele des Europäischen Green Deals. Kreislaufwirtschaft bezieht sich auf nachhaltige Systeme, die Ressourcen als besonders wertvoll behandeln und versuchen, den Ressourcenkreislauf zu schließen. Die Grundsätze der Abfallvermeidung und des Versuchs, Ressourcen so lange wie möglich zu nutzen, sind für den gesamten Produktionszyklus relevant. In dieser Hinsicht ist die Kreislaufwirtschaft ein weitaus umfassenderer Ansatz als nur Recycling oder Abfallwirtschaft. Er unterstützt nachdrücklich die nachhaltige Entwicklung, den achtsamen Umgang mit Ressourcen, die Klimaneutralität sowie die Eindämmung des Klimawandels und die Anpassung an den Klimawandel. Was die Situation bei COVID 19 betrifft, so wird die Kreislaufwirtschaft weithin als geeigneter Ansatz zur Bewältigung der Krise, zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit und zur Unterstützung eines "nachhaltigen Neustarts" des sozialen und wirtschaftlichen Systems angesehen. In dieser globalen Krise wurde die Bedeutung von regionalen und lokalen Wertschöpfungsketten deutlich sichtbar. Kreislaufwirtschaftliche Ansätze scheinen sehr gut geeignet zu sein, um die Bedürfnisse einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung, des Klimaschutzes und der sozialen Anpassung im Alpenraum zu unterstützen.

Priorität 3 "Innovation und Digitalisierung für einen grünen Alpenraum"

Spezielles Ziel: "Verbesserung der Forschungs- und Innovationskapazitäten und der Übernahme fortschrittlicher Technologien"
Die Zusammenarbeit im Bereich der Innovationskapazitäten ist eine transversale Aktivität, die die Wirkung des Programms in bestimmten thematischen Bereichen durch die Steigerung des Innovationspotenzials der alpinen Akteure verstärken kann. Die Verbesserung der Forschungs- und Innovationskapazitäten im Alpenraum sollte durch die Zusammenarbeit zwischen Akteuren und Stakeholdern in verschiedenen Regionen effektiv gefördert werden. Eine bessere Abstimmung und Koordinierung der Politikgestaltung im transnationalen Kontext ist notwendig, um den Regionen bei der Überwindung von Hindernissen bei der Zusammenarbeit im Bereich der Innovation und der Übernahme fortschrittlicher Technologien zu helfen. Dies wird zum Aufbau und zur Stärkung bestehender Synergien und funktionaler Verbindungen führen und die Polarisierung zwischen städtischen und ländlichen Regionen verringern, beispielsweise durch die Verbreitung von Innovationsdiensten und -kapazitäten, die Verknüpfung von Schlüsselakteuren und die Förderung der Widerstandsfähigkeit. Gleichzeitig sollte das Programm die Einbeziehung verschiedener Akteure aus Forschung, Innovation, Wissenschaft, Privatwirtschaft, öffentlichem Sektor und Zivilgesellschaft gewährleisten. Der Schwerpunkt sollte nicht nur auf ergebnisorientierter Innovation liegen, die auf bestimmte Lösungen abzielt, sondern auch auf prozessbezogener Innovation, um territoriale Ungleichgewichte zu verringern. Es ist wichtig zu beachten, dass der Innovationsgehalt der im Rahmen des Programms angestrebten Lösungen sich nicht nur auf das Ziel bezieht, die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaftsakteure zu steigern, sondern auch darauf, andere Akteure wie öffentliche Einrichtungen und andere Organisationen besser in die Lage zu versetzen, innovative Lösungen und Technologien anzuwenden. In Anbetracht des Programmauftrags umfasst die Innovation einen "grünen" Charakter der Aktivitäten, die Auswirkungen der Projekte sowie die Methoden und Praktiken des Projektmanagements.

Spezielles Ziel: "Die Vorteile der Digitalisierung für Bürger, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden nutzen"
Die Digitalisierung bietet Möglichkeiten zur Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen, die in Bergregionen wie dem Alpenraum besonders ausgeprägt sind. Neue digitale Werkzeuge können entwickelt werden, um die Widerstandsfähigkeit der Alpenregionen zu erhöhen und die Auswirkungen von Erreichbarkeitsproblemen und Abgeschiedenheit in Verbindung mit der negativen demografischen Situation in vielen Regionen abzumildern. Eine solche erhöhte Flexibilität kann im Zusammenhang mit der territorialen Besonderheit der Alpen sowie ihrem Bestreben, klimaresilient, kohlenstoffneutral, grün, integrativ und ressourcenschonend zu werden, besonders attraktiv sein. Durch die Entstehung von COVID-19 wurde die Notwendigkeit, den digitalen Wandel in diesen Bereichen auf integrative Weise in allen Regionen zu unterstützen, noch deutlicher. Das Leben der Menschen und die Arbeitsweisen im öffentlichen und privaten Sektor haben sich gewandelt und sind ortsflexibler geworden. Dies hat ein "Zeitfenster" für die Stärkung und Nutzung der Digitalisierung geschaffen, um das Leben und die Arbeit der Bürgerinnen und Bürger zu unterstützen und eine nachhaltige Entwicklung auch angesichts externer Herausforderungen zu fördern. Die Digitalisierung kann dazu beitragen, Lösungen für effizientere, innovativere und effektivere Lösungen zu finden, die einen Wandel hin zu Klimaresilienz, Kohlenstoffneutralität, Umwelt- und Ressourcensensibilität unterstützen. Im Kontext des privaten Sektors erleichtert sie auch die Umsetzung von Greening-Praktiken durch Unternehmen und Verbände sowie die Sicherstellung von Überlegungen zum Ausschluss von negativen Auswirkungen der Digitalisierung auf die Umwelt. Grundsätze, die bei diesen Aktivitäten verfolgt werden sollten, sind die Einbeziehung geeigneter Gruppen, wie z.B. der Politik oder der Zivilgesellschaft, sowie die Sicherstellung, dass alle Aktivitäten einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben.

Priorität 4 - Spezifisches Ziel von Interreg - "Eine bessere Governance der Zusammenarbeit"

Der Alpenraum zeichnet sich durch eine lange Tradition der internationalen und interregionalen Zusammenarbeit auf staatlicher und nichtstaatlicher Ebene aus. Die Zusammenarbeit in diesem Sinne findet auf den verschiedensten Ebenen und in den unterschiedlichsten Formaten statt, von der lokalen bis zur makroregionalen Ebene, von internationalen bis zu regionalen Abkommen oder von professionellen Förderprogrammen bis zu ehrenamtlicher Arbeit. Kooperationsaktivitäten werden durch eine Vielzahl von Formaten umgesetzt, z.B. durch Förderprogramme wie EU-transnationale oder bilaterale Kooperationsprogramme, sowie durch internationale Vereinbarungen wie die Alpenkonvention und ihre Protokolle oder regionale Kooperationsrahmen. Um die Governance und die Zusammenarbeit auf mehreren Ebenen im Alpenraum auf eine neue Ebene zu heben, wurde in den letzten Jahren ein wichtiger Schritt unternommen: Mit der Einrichtung der EUSALP (Strategie der Europäischen Union für den Alpenraum) wurde eine neue Perspektive für die Governance-Zusammenarbeit auf makroregionaler Ebene geschaffen. Die Multi-Level-Governance im Alpenraum muss weiterentwickelt und die institutionellen Kapazitäten der Behörden und Stakeholder müssen entsprechend gestärkt werden. Zu diesem Zweck stellt das Interreg-Sonderziel eine maßgeschneiderte Möglichkeit dar, die Zusammenarbeit und die Governance-Strukturen im Alpenraum zu vertiefen und weiterzuentwickeln. Um den oben genannten Bedürfnissen gerecht zu werden, zielt das Alpenraumprogramm auf die weitere Klärung, Vertiefung, Unterstützung und Verbesserung der Kooperationsstrukturen ab, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Professionalisierung der Governance- und Stakeholder-Strukturen sowie auf der Vorbereitung des Bodens für innovative Projekte und einer stärkeren Einbindung der Zivilgesellschaft liegt.


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